Alleine leben, alleine sterben

Alleine leben, alleine sterben…

Gefrorener Herzschlag unendlicher Zeit;
ein Wimpernschlag wird für ihn zur Ewigkeit.
Und während Gefühle ganz langsam vereisen,
da spürt er sein Leben gar grausam entgleisen.

Die Sprengkraft von einhundert Milliarden Tonnen,
ihr Lichtblitz brennt greller als eintausend Sonnen!
Entsetzliche Schönheit – Atomkernfusion;
sein Geist starrt gebannt in die Detonation.

* * *

Wo stolze Gebäude zum Himmel sich reckten,
am Horizont sich grüne Wiesen erstreckten;
ein Schloss in den Wolken, erhaben und hold,
mit Dächern aus Silber und Zinnen aus Gold,
mit schneeweißen Türmen, kristallblauen Seen –
so atemberaubend und unwirklich schön!

Es ist Unausweichlich doch will er nicht glauben,
dass dieses Ereignis ihm alles wird rauben.
Wie Flüsse von oben nach unten stets flossen,
so ist dieses Schicksal für ihn nun beschlossen.
Gewissheit durchdringt ihn in jenem Moment,
vorbei ist dies Leben, wie er es kennt!
Er schließt seine Augen, was soll er sonst machen?
Erstarrt durch die Furcht hört er heiser sich lachen.

Den Donnerhall hört aus der Ferne er grollen,
zermalmend‘ Getöse wie berstende Stollen.
Die Druckwelle bricht mit entsetzlicher Wucht,
sein Körper erzittert – unmöglich die Flucht.
Ein Feuersturm wütet, vom Gluthauch verzehrt –
ist jegliche Hoffnung rein gar nichts mehr Wert.

* * *

Wo Efeu sich rankte an Türmen und Zinnen,
nun Feuersbrunst lodert; es gibt kein Entrinnen.
Sein Geist ist gelähmt von dem rasenden Schmerz:
Gebrochen, zersplittert, vernichtet sein Herz.
Verkohlte Ruinen, Schutt, rauchende Trümmer,
verstörende Bilder und leises Gewimmer.
Die Hoffnung hat Risse, sie bröckelt; zerfällt –
denn sie wird jetzt sterben, mitsamt seiner Welt.
Die Welt, die er liebte, ist gänzlich verschwunden,
totale Zerstörung in zwanzig Sekunden.

* * *

Verschlungen von Dunkelheit gibt es kein Licht,
kein Trost keine Rettung kein Schimmer in Sicht.
Was folgte war Winter und eiskalte Nacht;
ein düsterer Nebel kein Tag mehr erschafft.
Er wandelt durch Ödnis, zerklüftet und schroff;
die Luft ist verpestet, es fehlt Sauerstoff.
Die Lungen sie schmerzen, das Atmen fällt schwer,
an glückliche Zeiten erinnert nichts mehr.

Verflucht ist sein Leben, verworren Gedanken,
verseucht sein Verstand, um den Dornen sich ranken.
Er irrt durch die Jahre, durch Wochen, durch Tage;
kein Mut und kein Plan und kein Ziel nur noch Plage.
Der Tag ist noch jung doch das Leid ist schon alt;
die Hände verkrampft und zu Fäusten geballt!
Sein Leben – für ihn nichts als bittere Not,
und nichts ist gewiss, doch allein nur der Tod!

Der Himmel voll Asche und wolkenverhangen,
kein tröstendes Licht wird von ihm er empfangen.
Kein Hauch einer Farbe ist ihm noch geblieben,
die Welt ist schwarz grau, jede Schönheit vertrieben.
Die Tränen sind ihm an den Wangen gefroren;
die Kraft um zu weinen – schon lange verloren.

Die Maske nach außen zerbröselt, verwittert;
doch die kann er kitten, dass sie niemals splittert.

* * *

Wenn „Leben“ sich anfühlt wie jeden Tag sterben;
wie Hölle auf Erden; wie Barfuß durch Scherben.
Verarscht und vergiftet, verachtet, verätzt –
zur Unkenntlichkeit von der Säure zersetzt.
Gezwungen aus Angst und Verzweiflung zu rennen;
und doch jede Nacht dann ganz langsam verbrennen.
Von grimmigen Teufeln aufs neue gehetzt,
dann tödlich verletzt; sein Bewusstsein zerfetzt.
Lebendig begraben, von Würmern zerfressen,
mit Maden bedeckt und auf ewig vergessen!
Geschlagen, getreten, geschunden, gebrochen,
gepeinigt und auf allen vieren gekrochen.
Verspottet, verhöhnt und zum Narren gehalten,
verraten verkauft und durch Zwietracht gespalten!

Wenn „Leben“ sich anfühlt wie jeden Tag Krieg;
nur tosende Schlachten, kein einziger Sieg.
Scharmützel, Granaten und Gräber aus Flammen,
auf immer und ewig im Alptraum gefangen!
Zehntausende Tode ist er schon gestorben –
er fürchtet die Nacht wie er fürchtet den Morgen!

Wenn „Leben“ sich anfühlt wie Kummer und Leid,
wie trostloser Schmerz bis ans Ende der Zeit,
was hat er davon sich dagegen zu wehren?
Die Qual wird nur größer und dann wiederkehren!

Mit eiserner Faust drückt das Schicksal nach unten –
er kämpft nun nicht mehr, denn zu tief sind die Wunden.
Gefangen im Strudel – Millionen Gedanken;
Bewusstsein verliert sich im Taumeln und Wanken.
Verstand – er verzweifelt, die Seele, sie weint;
so bleibt es bis er mit dem Nichts sich vereint.

* * *

Am Ende der Träume ein Morgen erwacht,
doch in seinem Geist herrscht nur aschfahle Nacht.
Oh Ruhe und Frieden – zu Lebzeit verwehrt;
die Gnade des Todes ihm beides gewährt…
Alleine zu sterben, alleine zu leben –
er wird nichts bekommen, er braucht auch nichts geben.
Alleine zu leben, alleine zu sterben –
die letzte Entscheidung von ihm hier auf Erden.

* * *

© 2014 Peter Fiedler | entstanden in meinen dunkelsten Stunden 2012 bis 2014

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